Ich komme gerade von dem
Kino um die Ecke zurück. Angeschaut wurde '
Zurück nach Dalarna' von
Maria Blom. Letztes Jahr wurde der Film mit drei
Guldbagge (in den Kategorien Bästa film, Bästa kvinnliga biroll und Bästa manuskript) ausgezeichnet, hat also durchaus einige Vorschußlorbeeren zu verteidigen. Und der Film macht wirklich Spaß! Hervorragend gespielt, witzige Dialoge, nachdenkliche Wendungen. Kurz zur Handlung: Mia (
Sofia Helin, für Bästa kvinnliga huvudroll nominiert) reist von ihrem Wohn- und Arbeitsort Stockholm in Heimat Dalarna, um für ihre neue Wohnung eine Lampe zu holen; und um nebenbei noch zum 70. Geburtstag des Vaters vorbeizuschauen. Aber kleine Orte haben den Nebeneffekt, daß jeder jeden kennt und man sich viel erzählt. Und so ist es für Mia nicht nur ein kurzer Aufenthalt in der Heimat, sondern ein etwas längerer Ausflug, schließlich gibt es da noch das Fest mit (ganz wichtig) der Torte.
Natürlich wird das alles noch komplizierter, denn wie man bald lernt, geht am Geburtstag des Vaters grundsätzlich etwas schief, sei es ein Selbstmord oder ein unglückliches Aufeinandertreffen von Messer und Hand. Die Kernpersonen der Handlung sind Mia und ihre beiden (älteren) Schwestern Eivor (grandios
Kajsa Ernst, die die Auzeichnung für die beste weibliche Nebenrolle verdient hat) und Gunilla (
Ann Petrén, die nicht minder gut spielt). An dem von unausgesprochenen Sachen und Mißverständnissen geprägten Verhältnis der drei wird das nur auf den ersten Blick bilderbuchhafte Leben in dem 'schönsten Stück Schweden' hinterleuchtet. Wenig ist, wie es auf den ersten Blick scheint, Eivor ist nicht die toughe Alleinorganisatorin, Gunilla nicht unberührt von ihrem kürzlichen Lebenswechsel und auch Mia verbirgt einiges (mir kam da Homo Faber in den Sinn) hinter einer Fassade aus Buisnessfrau.
Der erste Teil des Filmes hat noch urkomische Elemente (sehr toll die trockenen Kommentare des Onkels) aber es wird dann halbwegs schnell ernst, aber erfreulicherweise ohne ins Moralisieren abzudriften. Etwas zäh und herzschmerz ist dann das Ende, aber man kann es recht gut verkraften, irgendwie hätte ein klassisches Happy-End auch wirklich nicht gepasst. Ein wenig schade ist meiner Meinung nach die nicht so richtig überzeugende Photographie: Die angebliche Märchenbuchlandschaft kommt nicht so ganz rüber, jedenfalls habe ich öfters mal die beeindruckende Bildarbeit, die so Filme wie 'Crouching Tiger, Hidden Dragon' auszeichnet, vermißt. Eine gewisse überzogene (gekünstelte) Bildarbeit hätte auch die Fassade, hinter der sich das 'wahre Leben' abspielt, darstellen können.
Aber die Kameraeinstellungen stimmen, die folkloristische Musik blendet sehr geschickt zwischen den Betrachtungsebenen hin und her und es gibt keine unangenehmen Länge. Alles in allem eine sehr schöne Unterhaltung für knappe 100 Minuten, mit hervorragenden Schauspielerinnen und einem klasse Drehbuch; meine Bewertung: 8/10.