
Der Fußballwahn hat mich nun auch gepackt. Für das Finale Deutschland-Frankreich (mein Tip) bin auch auch wieder vor Ort, allerdings werde ich wohl verpassen, wie die 'Mannschaft' im Halbfinale gegen Italien besteht. Warum? Nun, weil ich mich in ein paar Stunden Richtung Bad Honnef aufmachen werde, um die Sommerschule
Evolution of galaxies and their large-scale environment zu besuchen. Allerdings habe ich mir vorgenommen, am 'WM-Bahnhof' (auch bekannt als 'Lehrter Bahnhof/Hauptbahnhof') ein paar Fan-Devotionalien zu erstehen. So eine Flagge wollte ich ja schon immer mal haben und vielleicht gibt es ja auch nützliche Sachen wie Krawatte oder Unterhose in Schwarz-Rot-Gold. Und überhaupt wollte ich ja schon immer die
strizzsche Nationalfeiertagshose haben.
Nach dem letzten Viertelfinale (über das Englandspiel muß ich ja nicht viel Worte verlieren, wenn man unbedingt zum Elfmeterschießen kommen will, bitte, dann muß man die Konsequenzen tragen) bin ich nun wirklich motiviert. Frankreich gegen Brasilien. Was ein
Spiel! Allez les vieux! Ja, ich habe mit Frankreich mitgefiebert. EU hält zusammen und so. Aber es war auch ganz klar die bessere Mannschaft, wie sich Brasilien partiell hat vorführen lassen, ganz großes Kino. In der Vorrunde war es mir noch recht egal, wie unser Nachbar so spielt, in der Gruppe G war ich mehr für den südlichen Nachbar Schweiz (ganz unglückliches Achtelfinale, ich kann mit Urs Meier mitfühlen).
Schon erstaunlich, was so ein wenig
Spocht so anrichten kann. Natürlich ist es eigentlich eine alberne Sportart. Natürlich ist es als Masseneffekt von vorneherein eher skeptisch zu sehen, aber was soll's: Es macht Spaß zu fachsimpeln, es macht Spaß einer von 80 Millionen Bundestrainern zu sein, es macht Spaß, die Spiele zu gucken. Es ist einfach nur grandios, den Kaiser von Spiel zu Spiel jetten zu sehen (ganz zu schweigen von den Kommentaren in der ZDF-Viererkette), die Dialoge von Netzer und Delling vorauszuahnen, und in der Tat sind die Spiele durchaus spannend (manche jedenfalls). Das Polenspiel war nervenaufreibend, das Argentinienspiel genial. Natürlich macht es erst so richtig Spaß, wenn man im Pulk schaut, das Viertelfinal habe ich im
HPI geschaut, das kollektive Mitfiebern und Jubeln ist durchaus ein Ereignis. Und wenn die WM schonmal in Deutschland ist, naja, dann kann man das ja auch mitnehmen, so schnell erlebt man das nicht wieder.
Ich hoffe, daß sich mein Endspieltip erfüllt, und sollte das der Fall sein, werde ich ganz sicherlich versuchen, zur Fanmeile am Brandenburger Tor (dem Berliner) zu reisen. Sowas erlebt man wohl nur einmal, wäre ja schade, es zu verpassen. Kollektiver Ausnahmezustand und keiner kriegt mit, was so alles an Reformen beschlossen wird. Ausgezeichnet. Und nach 'Wir sind Papst!' und 'Du bist Deutschland!' ist ein 'Wir sind Weltmeister!' doch eigentlich nur die konsequente Steigerung, oder?

Aber mal im Ernst: Ein bißchen Nationalstolz schadet nicht. Etwas 'Dagegen' ist zwar durchaus hier und da angebracht, aber wenn man nicht ein wenig Empathie für die Nation hegen kann, dann ist auch was falsch. In diesem Sinne: Die Welt zum Gast beim Weltmeister! (Und wenn es auch nur der Exportweltmeister werden sollen, egal.) Und der Sonnenaufgang verspricht doch einen schönen Tag.