Letzten Donnerstag fand in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft (
BBAW) die erste Akademievorlesung dieses Semesters statt. Die insgesamt vier Vorlesungen befassen sich mit der 'Herausforderung des Rechtsstaats durch den Terrorismus'. Soweit ich das verstanden habe, ist diese Veranstaltungsreihe aus der
Projektgruppe 'Justizgewährung, Staatsräson und Geheimdienste' entstanden. Ein interessantes Thema also. Ich habe mich um kurz nach fünf auf den Weg gemacht, um rechtzeitig bis halb sieben in der Akademie zu sein. Leider hatte ich meinen Notizbüchlein vergessen und habe mir daher keine Notizen gemacht; ich muß also auf mein Gedächtnis vertrauen.
Nach einer etwas langatmigen (partiell humoristischen, glaube ich) Vorstellung des Sprechers, Prof.
Herfried Münkler, durch den Moderator ging es dann um 'Die Strategie des Terrorismus und die Abwehrmöglichkeiten des demokratischen Rechtsstaats'. Jedenfalls laut Titel. Hauptsächlich ging es um die Klassifizierung des Terrorismus und die Herausstellung der Methodik und Strategie, die konkreten Abwehrmöglichkeiten kamen ein wenig kurz. Insbesondere wurde der meiner Meinung nach eigentliche Knackpunkt der ganzen Sache nur sehr stiefmütterlich behandelt: Die Möglichkeiten des
demokratischen Rechtsstaates (im Hinblick auf Bürgerrechte vs. Überwachung). Es wurde nur im Nebensatz erwähnt, daß sich der Staat bei solchen Sachen wie der Rasterfandung 'selber fesselt'. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich so intendiert war, oder ich in dieser Hinsicht nur empfindlich reagiere, aber in meinen Ohren schwang da ein lautes 'leider' mit.
Nun kann man sicherlich von einem 45-minütigen Vortrag auch keine Patentlösung erwarten, schon garnicht, wenn nötigerweise ein großer Teil Begriffsdefinitionen umfaßt. Aber gerade in dieser Hinsicht war es eine hervorragende Veranstaltung, denn wenn ich auch weit davon entfernt bin, das Thema zu überblicken, geschweige denn qualifiziert kommentieren zu können, so war es doch eine gute Einführung, die Interesse geweckt hat. Außerdem habe ich auch ein paar Sachen gelernt, unter anderem, daß wir eine postheroische Gesellschaft sind, der Selbstopferung fremd geworden ist und dadurch auch die Furcht vor Selbstmordattentätern ('Todesvirtuosen' im Vortrag) begründet ist: Man versteht diese einfach nicht.
Leider kann ich zum nächsten Vortrag nicht gehen, da habe ich schon was anderes vor, aber ich werde auf jeden Fall versuchen, die letzten beiden zu besuchen. Und ich werde mich wohl ein wenig mit dem Werk des Vortragenden befassen, er scheint mir eine interessante Person zu sein.