Irgendwie stolpere ich in letzter Zeit häufiger über das Wort 'Aphasie'. Zuerst im
progblog.de, dann bei
Wikipedia und nun letzten Samstag im
8. Sinfoniekonzert im Nikolaisaal; und überhaupt fiel mir eine der ersten
DS9-Episoden wieder ein. Erstes und drittes haben sogar etwas gemeinsam, die Musik. Während es bei Udo Gerhards um eine 'Girlie-Punk-Gruppe' geht, ging es beim Sinfoniekonzert um zeitgenössische Musik und sogar um eine Uraufführung.
Uraufgeführt wurde nämlich 'Les microbes de dieu' von Gabriele Manca (der Komponist war auch gleich der Dirigent), ein Stück für Blockflöte, Fagott, Kammerorchester und Tonband. Im Programmheftchen (das man für bescheidene 1.50€ erwerben durfte) steht unter anderem der tolle Satz:
Unter dem Titel Conduites d'approche sind vier Kompositionen zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit in der Zurückweisung einer "Sprache" besteht, Sprache im naheliegenden Sinne von Kommunikation mittels Folgen wiedererkennbarer Wörter, mit einer festegelegten Syntax oder kohärenten formalen Struktur.
Oha. Naja, das war zu vermuten, schließlich war mir schon beim letzten aufgeführten 'Instrument' klar, was man zu erwarten hatte, und, um ehrlich zu sein, wären nicht auch noch die 'Vier Jahreszeiten' gespielt worden, wäre ich wohl auch nicht hingegangen. In der Beschreibung geht es weiter:
Conduites d'approche sind Fetzen von aphasischen Äußerungen; sie sind Andeutungen von Metaphern für Vorstellungskraft, Sprache und Verstand.
Da taucht dann auch 'Aphasie' auf. Nun, die beiden Zitat beschreiben das Stück schon recht vortrefflich, da muß ich mir keine weitere Mühe geben. Ich kann mit dieser Art von Musik immer noch nichts anfangen, gar schrecklich klingt sie in meinen Ohren. Zugegebenermaßen habe ich aber auch noch etwas gelernt, nämlich daß es Subbassblockflöten (und sogar Kontrasubbassblockflöten) gibt.
Wenn mir das Stück auch nicht gefallen hat, so war mir vorher durchaus bewußt, daß dies der Fall sein könne, und da die Musiker (soweit ich das beurteilen kann) nicht schlecht gespielt haben, sah ich wirklich keine Veranlassung, mittendrin rauszugehen. Das sah ein guter Teil der Zuhörer offensichtlich anders und ging; was teilweise doch etwas störend war. Also ehrlich, selbst mir war klar, welche Art von Musik dargeboten werden würde, entweder man geht hin und versucht es, oder man läßt es. Aber mittendrin rausgehen? Gut, wenn die Musiker keine Ahnung von dem haben was sie da tun, einverstanden, dann kann man gehen, aber nur weil einem das Stück nicht zusagt? Naja, vielleicht sehe ich das auch etwas eng.
Wie dem auch sei, während der Pause habe ich mir dann erstmal ein Bierchen gegönnt (stilecht ein Berliner Kindl aus einem Potsdamer Rex Glas.. ehm?), bevor es dann mit den 'Vier Jahreszeiten' weiterging. Nun habe ich in den letzten Wochen etwas verstärkt eben dieses Werk gehört, war also (
hüstel) gut vorbereitet. Es konnte mich nicht ganz überzeugen, zu uneingespielt klangen die Musiker. Aber sehr gut war die Dynamik, sowas kommt in einem richtigen Konzert gleich viel besser rüber als aus der Konserve (wenngleich meine Konserve wirklich gut ist: fonè SACD).
Alles in allem war es aber ein gelungener Abend und der Nikolaisaal ist durchaus ein interessanter Ort für Konzerte, am 13.05. ist das nächste Sinfoniekonzert: Erkki-Sven Tüür: Aqua für Streicher, Ludwig van Beethoven: Violinkonzert D-Dur op. 61, AntonÃn Dvorák: Serenade E-Dur für Streichorchester op. 22. Klingt vielversprechend.