Irgendwie bin ich immer noch ziemlich erschlagen von meinem Kinoausflug letzten Sonntag: Gezeigt wurde eine Aufnahme der '
Meistersinger' von 1984 in Bayreuth, also mit der kurzen Pause von einer Viertelstunde gute fünf Stunden Kino. Nun habe ich ja eigentlich ein Faible für Wagner-Opern (im Juli kommt im Kino der Ring, nur bin ich gerade dann wohl nicht da, hmpf), aber irgendwie bin ich mit den Meistersingern nicht richtig warm geworden; und das liegt nicht an der Inszenierung (Wolfgang Wagner zeichnet sich dafür verantwortlich), die durchaus gelungen ist. Sehr beeindruckend ist das Bühnenbild, keine modernistische Fassung mit abstrahierter Kulisse, sondern so richtig ordentlich 'der großen Bayreuther Tradition' verpflichtet.
Ein wenig liegt mein Mißfallen vielleicht an der Besetzung, lediglich Bernd Weikl als Hans Sachs und Siegfried Jerusalem als Walther von Stolzing konnten mich restlos überzeugen, die wichtige Figur des Beckmesser erschien mir doch in weiten Teilen etwas zu platt, wirklich gut stellt ihn Hermann Prey nur im zweiten Aufzug dar; den Versuch sein Werbelied an die Frau zu bringen sabotiert Hans Sachs gewaltig und die Interaktion der beiden Solisten ist einfach nur herrlich. In der Rolle der Eva Pogner entzündet Mari Anne Häggander kein wirkliches Feuerwerk, eher ein kleines Flämmchen, aber immerhin. Sehr gut hingegen ist die Rolle des David mit Graham Clark, da muß ich mal aufpassen, was er noch so alles gemacht hat.
Eigentlich weiß ich ja nun schon, daß man bei einer Oper entweder das Libretto dabei oder es sich doch wenigstens vorher zu Gemüte geführt haben sollte. Mit dem Verstehen ist es nun ja leider nicht so ganz weit her. Vermutlich ist genau das auch der Punkt, warum es mich nicht so richtig mitgerissen hat: Die ganzen Feinheiten (und vor allem der Witz) der Dia- und Monologe gingen ein wenig an mir vorbei, einfach nur wissen, was alles passiert, und jeden dritten Satz verstehen reicht nicht. 'Über'titel wären hier wirklich hilfreich gewesen.
Während der Pause (und nach der Vorführung) fand noch eine Zuschauerbefragung durch eine Handvoll Erfurter Kommunikationswissenschaftstudentinnen statt, aber unverschämterweise war ich scheinbar nicht interessant und wurde folglich nicht befragt. Gemeinheit. Insgesamt waren auch nicht so richtig viele Leute in der Vorstellung, vielleicht zwanzig, aber ehrlich gesagt, hätte es mich auch sehr gewundert, wenn das Kino voll gewesen wäre.
Gelohnt hat es sich aber durchaus, es gibt unsinnigere Möglichkeiten den Sonntag zu verbringen.